eine autofiktionale Performance über das Wiedererstarken rechtsextremer Strömungen und ihre Einflussnahme auf junge Menschen.
nächste Spieltermine:
13.06.2026, offener Prozess ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex in Chemnitz,
Einlass: 18 Uhr, Beginn: 18:30
Vergangene Shows:
Fotos(©Merlin Seifert) aus Zittau zu meiner Performance bei Stadt.Land.Bühne Festival am 24.04.26



Inhalt und Ankündigung zu „Der Fremde in mir“
“Der Fremde in mir“, ist eine autofiktive Szenische Lesung/Tanz/Performance, in der Philipp Grimm der Frage nach Identität und Selbstbestimmung und dem Wiedererstarken rechtsextremer Strömungen und ihren Ursprüngen auf körperlicher und textlicher Ebene nachgeht. Er schöpft dabei aus seiner eigenen Biografie und spinnt diese in seiner Erzählung weiter, sodass der Zuschauer eine Vorstellung von dem bekommen kann, wie es jungen Menschen im Zusammenhang mit der „rechten Szene“ ergeht.
Spieldauer: ca. 60 min plus 30 min Nachgespräch
Ich biete der „Der Fremde in mir“ sowohl für Schulkassen ab Klasse 9, mit anschließendem Nachgespräch an, als auch „klassisch“ in einem Theater oder Veranstaltungsort der Wahl und da selbstverständlich auch mit einem Nachgespräch.
Zu meiner Person:
Philipp Grimm
Schauspieler und Performance Künstler
Kontakt:
email: philippgrimm@posteo.de
Tel. 01714959192
Trailer zu “Der Fremde in mir“:
https://vimeo.com/1058879554?fl=ip&fe=ec
Textauszug aus „Der Fremde in mir“
Teil 2
Wir springen in der Zeit zurück.
Mein Bericht über das Leben, in dem ich groß geworden bin, beginnt in den 90er Jahren. Im Nirgendwo, zwischen Kühen und endlosen Kornfeldern. In dem es kaum eine Alternative gibt als anzufangen RECHTS zu denken und sich zu radikalisieren. Weil ich dazu gehören will. Weil mein Umfeld, in dem ich aufwachse, spiele und in der Schule lerne, so spricht. In dem jeder fremde Geruch, jede andere Hautfarbe, jede andere Sprache mit Irritation und Abneigung quittiert wird.
Gewalt ist normal. Unter uns, zu Hause an dem Küchentisch, auf dem Schulhof, im Kindergarten. Unter uns Deutschen, aber auch unter den ANDEREN: Türken, Russlanddeutsche, Polen oder Nigerianer. Drogen werden verkauft und konsumiert. Und die Klischees der jeweiligen Gruppe, egal welcher, finden täglich ihre Bestätigung.
Wir fangen an uns zu wehren, weil unser Selbstverständnis ein anderes ist. Wir es nicht mehr ertragen können in den Nachrichten schon wieder zu hören das von DENEN eine Bank ausgeraubt, eine deutsche Frau im Park belästigt oder in der U-Bahn mit einem Messer um sich geschlagen wurde. “Das sind Kriminelle. Alle“, rufen sich die vom System enttäuschten Leute am Gartenzaun, im Büro oder auf der Baustelle zu, „Schaut einfach richtig hin und lasst euch nicht von dem Argument, „ja aber die Deutschen sind genauso kriminell“ blenden. NEIN!“
Wir schmieden Pläne, um zu zeigen das wir das Fremde ablehnen.
Schulen, Kindergärten und Sporthallen, die in Asylantenheime umgewandelt werden, zünden wir an und Köpfe die Schwarze Haare haben, große Nasen und braune Augen, werden zerschlagen.
Aber bin das ich? Feuer legen? Gesichter zerstören? Das Fremde hassen?
Ich suche nach mir selbst, meiner Identität. Eine Suche, die sich nur über die Anderen, das Bekannte, Freunde und Familie und Unbekannte, das Fremde ausdrückt. Und über den Schrecken, der durch unsere Worte und Taten verbreitet wird.
Wer bin ich und wer ist der, die, das Andere da gegenüber von mir? Warum traue ich mich nicht an das Fremde obwohl es tief in mir den Reiz gibt es zu berühren?
Denn immer, wenn ich dem Fremden gegenüberstehe und meine Faust in seinem Gesicht vergrabe, angefeuert von den rechten Jungs in meinem Rücken, empfinde ich neben dem Hass in mir, auch Mitleid und Scham. Quälende Gedanken und Gefühle.
Und wenn ich mich dann in der Nacht im Bett von Vorwürfen und Unsicherheiten geplagt, schlaflos hin und her wälze, und das Interesse an dem Fremden, an ihren Gesängen ihrer Haut und ihrer Sprache sich in mir entfaltet, dann fällt mir die Geschichte von SEKULA ein, die uns unser Geschichtslehrer, der Vollidiot, einmal zum Besten gab und mir nicht mehr aus dem Kopf gehen will:
«Einmal, nach dem Krieg, traf Sekula…
STOPP!
STOPP Junge!
Hör damit auf Junge!
Lass dich von vermeintlich studierten Geschichtslehren und ihren aufklärerischen psychologisch belehrenden Geschichten nicht in die Irre führen.
Was soll das sein, “Menschlichkeit in sich abtöten?“
“Mitleid, Scham, Quälenden Gedanken etwas Falsches zu denken?“
Stopp.
Ich hau dir auf die Finger JUNGE!
Diese Gedanken und Gefühle sind falsch und weich. Du bist ein Mann und deine Gedanken haben damit zu tun das deine Eltern dich nicht anpacken können, weil sie mit ihrem eignen Kram beschäftigt sind, ihrem Scherbenleben einen Sinn zu geben, es zusammenzukleben um sich dann Entstellt in dem zerschossenen Spiegel betrachten zu müssen.
Die dir keine Zukunft bieten und aufzeigen können, weil ihnen die Mittel fehlen. Die finanziellen Mittel, die emotionalen Mittel, die Lebensmittel und sie dir keine Führung, kein Vorbild sein und geben können, du es nicht gelernt hast die Dinge realistisch einzuordnen.
Unser Bildungssystem es nicht versteht euch, die Zukunft unseres Landes, Vernünftig an die Hand zu nehmen und Wissen richtig zu vermitteln.
Also Du, du Junge, Du!!
Ich also Ich, ich Junge, Ich!!
Ich??
Ich fühle mich allein und unsicher. Überfordert von der Reizüberflutung meiner Umwelt. Der Schnelligkeit, mit der sie mich einspinnt und den Atem nimmt.
Wie ein scheues Rehkitz tapse ich umher, das mit gebrochenen und schlecht verheilten Vorderläufen, dem Tode geweiht und von der Familie zurückgelassen, vor Angst flüchtet und versucht im dunklen Wald zu überleben.
Alleingelassen und einsam in meiner Scham, als stinkender, pubertärer, dem die Muskeln nicht wachsenden wollender und von dem sich die Mädchen abwenden, hilfloser, freundschaftsloser Junge.
Und da klammere ich mich an jede Form von Aufmerksamkeit und stelle ihre Inhalte, die sie vermitteln überhaupt nicht in Frage, solange sie mich in den Arm nimmt, diese Aufmerksamkeit als Mitläufer akzeptiert und wärmt.
Diese Aufmerksamkeit ist braun. Die Farbe, die den Parteien zugeordnet wird, die unsere Väter und Mütter wählen.
Und sie versprechen unseren Eltern, egal welchen sozialen Status sie haben, mir und meinen jungen Freunden, eben diese Wärme und die Erlösung meines inneren und äußeren Chaos. Geben mir ein Ziel, eine Aufgabe und eine Losung für mein Leben. Nimm dir was dir gehört, sage genauso wie das FREMDE zu deinem Leben ICH WILL!…
…………….
