eine autofiktionale Performance über das Wiedererstarken rechtsextremer Strömungen und ihre Einflussnahme auf junge Menschen.

meine nächsten Spieltermine:

24.04.2026 Festival: Stadt.Land.Bühne., in Zittau, Beginn: 17:00, auf dem Vorplatz des Gerhart-Hauptmann Theater-Zittau

https://www.freie-theater-sachsen.de/projekt/stadt-land-buehne

29.05.2026, Haus der Begegnung, Einlass 18:00, Beginn: 19:00

Inhalt und Ankündigung.

“Der Fremde in mir“, ist eine zum Teil autofiktive Szenische Lesung/Tanz/Performance, in der Philipp Grimm der Frage nach Identität und Selbstbestimmung und dem Wiedererstarken rechtsextremer Strömungen und ihren Ursprüngen auf körperlicher und textlicher Ebene nachgeht. Er schöpft dabei aus seiner eigenen Biografie und spinnt diese in seiner Erzählung weiter, sodass der Zuschauer eine Vorstellung von dem bekommen kann, wie es jungen Menschen im Zusammenhang mit der „rechten Szene“ ergeht.

Spieldauer: ca. 60 min

Ich biete der „Der Fremde in mir“ sowohl für Schulkassen ab Klasse 9, mit anschließendem Nachgespräch an, als auch „klassisch“ in einem Theater oder Veranstaltungsort der Wahl und da selbstverständlich auch mit einem Nachgespräch.

Zu meiner Person: 

Philipp Grimm

Schauspieler und Performance Künstler

Kontakt: 

email: philippgrimm@posteo.de

Tel. 01714959192

ein Textauszug aus „Der Fremde in mir“

TEIL 1

FREMDE.

Jetzt.

Abschnitt A

und sie hat es satt. einmal im Jahr trifft sie sich mit ihren Girls aus der Schulzeit in der Innenstadt. Die ja eigentlich ganz schick ist. mit ihrem großen Markplatz und dem hübsch verzierten Brunnen. an dem sie als Kind schon gespielt hat. als sie mit ihren Eltern noch in der Innenstadt gewohnt hat, bevor die Familie dann an den Stadtrand, in die etwas gehobenerer Wohngegend, dieser kleinen schmucken Stadt, die irgendwo im Westen Deutschlands liegt, gezogen ist.

Weil Papas Erfolg als Anwalt die Grenzen des bewohnbaren Wohnraums sprengte und ein Einfamilienhaus, mit Blick auf den Fluss, schon sein musste und sie jetzt nur noch zur Kanzlei in die Innenstadt fährt, wenn sie in den Semesterferien nach Hause kommt oder halt in der kalten Jahreszeit mit ihren Girls.

Also eigentlich ne ganz schicke Innenstadt, wie gesagt. Wenn da diese hässlichen Boller oder Poller oder wie sie findet einfach nur Beton Klötze mit Ritterburg Mauer Zacken Muster nicht wären.

Und so sehr sich die Stadt bemüht, diese Ungetüme zu verschönern, stechen die einfach fett, negativ störend, ästhetisch der letzte Scheiß und wie man sieht und hört und liest, schützen sie dann am Ende, wenn man es drauf anlegt und das tun die TERROS immer, muss man eigentlich wissen, doch auch gar nicht. Also die fallen ihr echt hart STÖREND ins Auge.

Das Symbol. Ein Kainsmal, denkt sie sich. Das uns an die ANDEREN erinnern soll, die gezielt mit unserer Christlichen Tradition spielen und diese, unsere christliche, geistliche geprägte Welt, mit vollem Bewusstsein für ihre Zwecke Instrumentalisieren.

also noch mal.

eigentlich lässt sie sich mit ihren Girls aus der Schulzeit einmal im Jahr, wenn dann alle aus ihren Unis in die kleine Stadt zu ihren Eltern nach Hause kommen, hier volllaufen, vorne bei Müllers Glühwein Stand, den es schon ewig gibt und auch wenn sie zu 90 % Veganetarisch isst, ne Wurst von Hubers gegenüber, den es auch schon ewig gibt, geht auch noch dazu, um mit dem Fleischfett die Dusseligkeit vom Alc. zu tilgen…

also eigentlich tratschen sie dann, über die neusten Schwachsinns Videos auf Insta und Tik Tok und Beauty und Typen und das Fitti sind natürlich auch Thema.

also einmal im Jahr einfach mal fünf gerade sein lassen, einfach mal Oberfläche und stupides vor sich hin labern, bevor es dann wieder in den Uni-Lernstress-REF-Wahnsinn und die Erfolgsspur zurück geht. Ablenkung vom Alltag, von der puren Stresslust, so gut zu werden wie Papa, nicht Mama weil die ja in der Küche steht, freiwillig, aber nichts für sie, weil sie ist ja das Papa Kind, schon immer und deshalb ist es klar, dass sie eines Tages in seine Fußstapfen tritt, sein Imperium übernimmt, seinen Chef Sessel zum Chef+innen Sessel macht. Logisch, Gendern ist weibliche Ehrensache, sie ist eine moderne junge Frau, auch wenn sie für Tradition und die Werte Charta ihrer Familie steht, ganz klar!

Und weil ihre, in der Stadt alteingesessene Familie, ihre Macht Position schon so lange innehat und auch behalten soll, gerne auf Ewig, war klar, dass sie das gleiche studiert wie der Papa, und es ist auch klar, dass der Tag X kommen wird und Papa dann abtritt, in den vorderen Hintergrund, nicht das er ihr auf die Finger schauen will, aber doch bitte immer noch über die Schultern.

Und also, sie weiß, dass sie das kann und ihre Girls, die alle aus ganz ähnlichen Verhältnissen kommen, wo, man darf es kaum laut sagen, aber rausschreien ist ok, Geld mal so fucking keine Rolle spielt, wissen das auch. Und das muss gefeiert werden, das erfolgreiche Leben.

Und genau da grätschen DIE mit ihren SUVs und LKWs rein und ruinieren nicht nur Menschen Körper, verstümmeln sie, bestrafen die friedlichen Deutschen gar mit dem Tod, sondern eben auch den Glühweinstand von Müller und der Huber kann weniger Wurst verkaufen.

Und sie und ihre Girls gehen dann eben als Konsequenz wegen dieser Menschen, die verrückt sind und eigentlich hier auch gar nix mehr zu suchen haben, weil sie schon vor Jahren als Gefährder eingestuft, aber dann anscheinend vergessen wurden und sich im stillen Kämmerlein immer weiter radikalisieren durften, weil in Deutschland ist ja jeder willkommen, dann geht sie und ihre Girls, eben da NICHT mehr hin, in die eigentlich ganz schicke Innenstadt, also auf den Christlichen Markt, den sie statt der Kirche immer gern besucht hat, auch als Kind und Jugendliche schon.

Und da der Tag X kommen wird, an dem sie Papas Imperium übernehmen darf oder kann oder will, weil sie mit dem Referendariat fast durch ist, das zweite Staatsexamen fast geschafft hat, will sie sich das: einmal im Jahr sechs gerade sein lassen, nicht entgehen lassen

und von Kanzlei, kann oder darf übernehmen ist keine Rede, denn es ist klar, dass sie das machen wird, das was alle Erstgeborenen in ihrer Familie gemacht haben, egal ob Mann oder Frau und das nennt sie Fortschritt, noch weit bevor die Gesellschaft und die Medien dieses Weinstein, Mee-Too und Gleichberechtigung, Emanzipationsgedöns und diesen ganzen Schmu auf den Plan gebracht haben und man immer weniger von dem sagen darf, kann, soll, muss, was Oma und Opa noch völlig ohne Hintergedanken sagen durften, ohne gleich einen Medien Skandal vom Zaun zu brechen, DENKT sie sich.

Und SPRICHT ihr Papa laut aus, der sie gerade mit ihrem Neuen, als ein super großartiges Papi Luxus Geschenk zum heiligen Fest, also mit ihrem neuen Tesla SUV Modell X, aus dem Hause Elon, ganz frisch aus Brandenburg eingeliefert und vor der Haustür abgestellt, von dem Treffen mit ihren Girls abholt.

Und na klar fährt Mann/Frau der Umwelt zuliebe ein Auto, von dem genialen Mann erschaffen, der bald den Mond und danach den Mars bewohnen wird.

Und also der Papa sie mit dem Tesla SUV Modell X abholt und nach Hause fährt, weil mit den Girls zwar die Innenstadt tabu geworden ist aber dann halt das einzig gehobene Restaurant am Schlossplatz als Ersatz herhalten muss, ein Italiener, Papas bester Freund, wenn es ums Essen geht, sieht man seinem Stahlhart durchtrainierten Mitte Ende 60-jährigen Körper nicht an, aber er isst da jede Woche.

Und also der Italiener der ihrem Standard und den der Girls entspricht und sie sich eben dort das eine Mal im Jahr, also dieses Jahr,

dem ANDEREN, dem FREMDEN, der die Poller ignoriert hat und Menschenfetzten auf dem Boden hat liegen lassen sei Dank,

haben volllaufen lassen, mit dem teuersten unter den teuersten Weinen, auf der kleinen exquisiten Karte, wenn schon denn schon, mit der Kreditkarte von Papa, danke Paps!

Und ihr guter alter Papa, der gerade wieder einen seiner Monologe auspackt, denen sie immer zustimmt, gestimmt hat, weil es auch ihre Meinung ist und war, denn dumm ist sie nicht, wie kann sie das auch sein, nach so einem krass guten ersten Staatsexamen und das zweite wird noch besser, krasser, höher, weiter.

“Und wir stehen gut da“, sagt nun ihr Vater, Papa, Papi, sie liebt ihn, er lenkt den TESLA SUV Modell X, der jetzt ihrer ist, mit dem sie morgen wieder zum Studieren fährt,

“aber das ist ein Zustand der immer wieder neu gefestigt und gesichert werden muss“, fährt ihr Vorbild monologisch fort. “Niemals, nie auf dem Erfolg ausruhen. Immer dranbleiben, die Challenges gezielt suchen, nur die Fälle übernehmen die Erfolgversprechend sind und dann Gewinnen. Denn ich bin ein Gewinner und will das meine Lieblingstochter auch einer wird.“

Und er grinst das typische ELON-Grinsen, dass er sich zu Eigen gemacht hat, da er ganz unverhohlen zugibt, einer der größten ELON-Fans zu sein den es auf dem Planeten Erde gibt.

“Nimm dir ein Vorbild an ihm, nicht an mir, seinen Einfluss, den er sich hart erarbeitet hat und den Wohlstand, den er auch für uns Deutsche bedroht sieht, wenn unsere deutschen Volksvertreter weiterhin unser Land mit ihrer Politik an die Wand fahren.“

Und weshalb er es auch nur mutig und richtig von Elon findet, dass Elon die einzige Partei in unserem Land unterstützt, die die Wirklichkeit erkannt hat und zum positiven verändern möchte.  

Und sie nickt und stimmt mit betrunkenen Herzen zu, aus Überzeugung, auch im nüchternen Zustand, weil sie eine junge politisch denkende Frau ist.

Und auch nicht nur weil Papa das sagt, denn sie hat in ihrem Nebenjob, in der eng befreundet Kanzlei, in der sie sich schon mal an den Alltag im Beruf gewöhnen soll, kann, darf, muss schon so krasse Erfahrungen mit den ANDEREN, die zu uns gekommen sind und immer weiter kommen, gemacht, obwohl sie Objektiv natürlich jeden gleich betrachtet, behandelt und für jeden dasselbe Urteil fällen würde, egal welcher Herkunft und welchen Aussehen und welcher Sprache, aber wenn die sich nicht an unsere Regeln halten, dann braucht sie die Bestätigung ihres alten Herren gewiss nicht, denn sie ist eine selbständige, erfolgsdurstige Frau, so durstig wie ihr Papa,

und das hat sie heute auf der Weinkarte und der Kreditkarte mal so allen beim Italiener da gezeigt.

Und genau dieser Erfolg, dieser von ihren Vorfahren und deren Vorfahren aufgebaute Erfolg, der Name, ihr Name, der Familienname, der auf der goldenen Platte vorne auf der Sandsteinmauer des prunkvollen Altbaus, in dem sich die Familienkanzlei seit fast 150 Jahren um DAS RECHT UND DIE ORDNUNG der Deutschen und auch aller anderen Bürger kümmert, ist in Gefahr, wenn jetzt immer mehr zu uns kommen und sie sieht es ja täglich an den Fällen, die in der befreundeten Kanzlei eintrudeln, Kriminelle nur Kriminelle hört sie da die Mitarbeiter und sich selber sagen.

Und sie, die FREMDEN, es jetzt endlich, also ihr und den Girls, es versauen, einmal im Jahr einfach nur Müllers Glühwein zu trinken und ne Wurst zu essen bei Hubers.

und da piepst ihre Smartwatch, eine neue Nachricht auf X in der Gruppe IHR MÜSST GEHEN, die sie sofort liked und mit, Ja, Lol, beantwortet.

Und ja klar ist sie dabei, wenn ihre Chat-Friends an Ostern nach Sylt fahren. Sylt ist geil. Fast schon weg, also ABGESOFFEN oder überschwemmt,

Und naja solang da keine Menschen angeschwemmt werden, wie im Mittelmeer, letztes Jahr an der Cota Zur, an dem Privatstrand ihres Ferien Familien Domizils, was ein krasser Schock damals, diese Flüchtlinge, schon krass,

und also diese deutsche Insel in der Nordsee, ist ja fast schon weg oder wird, kann man sagen, immer weniger. dem Klima sei Dank.

Und also diese Insel ist was Besonderes. Exklusives!!

und da will sie nicht fehlen.

Und Christliche Feste feiert man besten eh nicht mehr in Innenstädten.

Und also klar SYLT kann sich auf sie freuen, denn dann ist das Examen rum und der Tag X kann kommen.

Aber auf Sylt dann noch mal alle viere gerade sein lasse.

Man ist sie besoffen, hoffentlich merkt Papa nix.

Aber der lenkt den ELON VAN und ist glücklich, trotz der ANDEREN, die das Fest fast versaut haben. 

Teil 2

Wir springen in der Zeit zurück.

Mein Bericht über das Leben, in dem ich groß geworden bin, beginnt in den 90er Jahren. Im Nirgendwo, zwischen Kühen und endlosen Kornfeldern. In dem es kaum eine Alternative gibt als anzufangen RECHTS zu denken und sich zu radikalisieren. Weil ich dazu gehören will. Weil mein Umfeld, in dem ich aufwachse, spiele und in der Schule lerne, so spricht. In dem jeder fremde Geruch, jede andere Hautfarbe, jede andere Sprache mit Irritation und Abneigung quittiert wird.

Gewalt ist normal. Unter uns, zu Hause an dem Küchentisch, auf dem Schulhof, im Kindergarten. Unter uns Deutschen, aber auch unter den ANDEREN: Türken, Russlanddeutsche, Polen oder Nigerianer. Drogen werden verkauft und konsumiert. Und die Klischees der jeweiligen Gruppe, egal welcher, finden täglich ihre Bestätigung.

Wir fangen an uns zu wehren, weil unser Selbstverständnis ein anderes ist. Wir es nicht mehr ertragen können in den Nachrichten schon wieder zu hören das von DENEN eine Bank ausgeraubt, eine deutsche Frau im Park belästigt oder in der U-Bahn mit einem Messer um sich geschlagen wurde. “Das sind Kriminelle. Alle“, rufen sich die vom System enttäuschten Leute am Gartenzaun, im Büro oder auf der Baustelle zu, „Schaut einfach richtig hin und lasst euch nicht von dem Argument, „ja aber die Deutschen sind genauso kriminell“ blenden. NEIN!“

Wir schmieden Pläne, um zu zeigen das wir das Fremde ablehnen.

Schulen, Kindergärten und Sporthallen, die in Asylantenheime umgewandelt werden, zünden wir an und Köpfe die Schwarze Haare haben, große Nasen und braune Augen, werden zerschlagen.

Aber bin das ich? Feuer legen? Gesichter zerstören? Das Fremde hassen?

Ich suche nach mir selbst, meiner Identität. Eine Suche, die sich nur über die Anderen, das Bekannte, Freunde und Familie und Unbekannte, das Fremde ausdrückt. Und über den Schrecken, der durch unsere Worte und Taten verbreitet wird.

Wer bin ich und wer ist der, die, das Andere da gegenüber von mir? Warum traue ich mich nicht an das Fremde obwohl es tief in mir den Reiz gibt es zu berühren?

Denn immer, wenn ich dem Fremden gegenüberstehe und meine Faust in seinem Gesicht vergrabe, angefeuert von den rechten Jungs in meinem Rücken, empfinde ich neben dem Hass in mir, auch Mitleid und Scham. Quälende Gedanken und Gefühle.

Und wenn ich mich dann in der Nacht im Bett von Vorwürfen und Unsicherheiten geplagt, schlaflos hin und her wälze, und das Interesse an dem Fremden, an ihren Gesängen ihrer Haut und ihrer Sprache sich in mir entfaltet, dann fällt mir die Geschichte von SEKULA ein, die uns unser Geschichtslehrer, der Vollidiot, einmal zum Besten gab und mir nicht mehr aus dem Kopf gehen will:

«Einmal, nach dem Krieg, traf Sekula…

STOPP!

STOPP Junge!

Hör damit auf Junge!

Lass dich von vermeintlich studierten Geschichtslehren und ihren aufklärerischen psychologisch belehrenden Geschichten nicht in die Irre führen.

Was soll das sein, “Menschlichkeit in sich abtöten?“

“Mitleid, Scham, Quälenden Gedanken etwas Falsches zu denken?“

Stopp.

Ich hau dir auf die Finger JUNGE!

Diese Gedanken und Gefühle sind falsch und weich. Du bist ein Mann und deine Gedanken haben damit zu tun das deine Eltern dich nicht anpacken können, weil sie mit ihrem eignen Kram beschäftigt sind, ihrem Scherbenleben einen Sinn zu geben, es zusammenzukleben um sich dann Entstellt in dem zerschossenen Spiegel betrachten zu müssen.

Die dir keine Zukunft bieten und aufzeigen können, weil ihnen die Mittel fehlen. Die finanziellen Mittel, die emotionalen Mittel, die Lebensmittel und sie dir keine Führung, kein Vorbild sein und geben können, du es nicht gelernt hast die Dinge realistisch einzuordnen.

Unser Bildungssystem es nicht versteht euch, die Zukunft unseres Landes, Vernünftig an die Hand zu nehmen und Wissen richtig zu vermitteln.

Also Du, du Junge, Du!!

Ich also Ich, ich Junge, Ich!!

Ich??

Ich fühle mich allein und unsicher. Überfordert von der Reizüberflutung meiner Umwelt. Der Schnelligkeit, mit der sie mich einspinnt und den Atem nimmt.

Wie ein scheues Rehkitz tapse ich umher, das mit gebrochenen und schlecht verheilten Vorderläufen, dem Tode geweiht und von der Familie zurückgelassen, vor Angst flüchtet und versucht im dunklen Wald zu überleben.

Alleingelassen und einsam in meiner Scham, als stinkender, pubertärer, dem die Muskeln nicht wachsenden wollender und von dem sich die Mädchen abwenden, hilfloser, freundschaftsloser Junge.

Und da klammere ich mich an jede Form von Aufmerksamkeit und stelle ihre Inhalte, die sie vermitteln überhaupt nicht in Frage, solange sie mich in den Arm nimmt, diese Aufmerksamkeit als Mitläufer akzeptiert und wärmt.

Diese Aufmerksamkeit ist braun. Die Farbe, die den Parteien zugeordnet wird, die unsere Väter und Mütter wählen.

Und sie versprechen unseren Eltern, egal welchen sozialen Status sie haben, mir und meinen jungen Freunden, eben diese Wärme und die Erlösung meines inneren und äußeren Chaos. Geben mir ein Ziel, eine Aufgabe und eine Losung für mein Leben. Nimm dir was dir gehört, sage genauso wie das FREMDE zu deinem Leben ICH WILL!…

…………….

Um die Kultur, unsere deutsche Kultur zu erhalten…

…stehen wir im Kreis. Grölende, schwitzende Körper. Mit nackten, von der Rasur verpickelten Köpfen, die Bomberjacken über dem weißen Unterhemd, Bierflaschen in der Hand. Kippen im Maul. Der Blick verwässert vom Alkohol aber voll lodernden Hass. Eine Geilheit auf das, was jetzt kommen wird. Die Sabber läuft uns aus den aufgerissenen schreienden Mündern. Die bulligen schwitzenden Körper reiben sich aneinander. Die rechten Jungs habe sich ein neues Opfer gesucht. Achmet geht in meine Klasse. Arme Sau oder doch ein Schlingel, ich weiß es nicht, denn immer wieder schaut er von seiner Schulbank aus verstohlen zu mir rüber und ich denke willst du mir mit deiner Familie und deinen Freunden ans Pein pinkeln? Plant ihr nicht eigentlich irgendeinen Angriff auf mich nur weil ich deutsch bin?

Aber heute Abend mein Freund bist du zur falschen Zeit am falschen Ort. Warum muss dieser Trottel, nachts, alleine auf ein deutsches Volksfest gehen? Was will er hier? Pure Provokation. Er hat es drauf angelegt. Die Anderen sind bestimmt auch gleich da. Achmet als Vorhut, um zu schauen ob es sich lohnt das Volksfest aufzumischen. Lungert am hintern Festzelt Eingang herum. Denkt wohl er wird nicht entdeckt, wie er da um die Ecke guckt, lüstern nach unserem Bier, dass er nicht trinkt, weil sein Glaube ihn dazu zwingt, zu verzichten. Lüstern nach unseren Frauen, aber sein Glaube ihn dazu zwingt seinen Schwanz einzuklemmen. Denkt also wohl nicht erkannt zu werden. Falsch gedacht.

Und…

…jetzt liegt er in der Mitte vor uns auf dem Boden, fleht und jammert. Hat sich vor Angst bestimmt auch schon in die Hose gepisst. Der Mopp setzt sich in Bewegung umkreist das hilflose Wesen. Grölt.


Es ist die Gelegenheit, auf die ich gewartet habe, mich zu beweisen und endlich vollständig in den Kreis der rechten Jungs aufgenommen zu werden. Vom Mitläufer zum Täter.  

Meine Springis glänzen, frisch poliert und gewichst strahlen sie mich an, sind heiß auf ihren Einsatz. Ich löse mich aus dem stampfenden, tanzenden Kreis, der sein Opfer immer rasender und enger umrundet keuchend und stöhnend treiben sie mich an. Ich gehe mit entschlossenem Schritt auf Achmet zu. Sein Blick trifft meinen, er erkennt mich, kriecht auf mich zu, winselt, brabbelt, fleht mich an.

Ich bin klar im Kopf, ich bin klar mit mir, mir ist klar was jetzt kommen wird. Ich hole aus und trete mit meinen Springis gegen seinen Kopf. Ich bin überrascht, wie weich es ist gegen einen Kopf zu treten. Das der Widerstand der Schädeldecke so schnell gebrochen ist. Der Kopf gibt nach wie ein weiches Ei, zerplatz unter meinen Stiefeln. Ich trete wieder und wieder zu, schalte meinen Verstand aus, verliere mich im Rausch der Gewalt, sehe nicht das die anderen Jungs sich mir anschließen. Wir steigern uns in unseren Wahn, treten auf den gekrümmten, zerstörten Körper ein. Eine leblose Masse.

Es dampft. Wird seltsam ruhig. Ein lautloser stummer Akt. Der ewig dauert. Der erst durch das Blaulicht ein Ende findet. Es uns auseinander treibt. Wie junge Rinder springen wir davon, taumeln, fallen, verlieren uns in der Nacht, verlieren uns, verlieren mich,

Ich verliere mich.